Geschichte Asiens - Ostasien.net

 
 
  Geheime Geschichte der Mongolen
Herkunft, Leben und Aufstieg Dschingis Khans

München: Beck, 2005. 325 Seiten. 24,90 Euro

Wie andere sagenhafte Geschichtsschreibungen so verlegt auch die "Geheime Geschichte" den Beginn der mongolischen Historie in eine mythische Zeit. Die Urahnen des größten Sohn des Landes, so erzählt es die Chronik, seien ein blaugrauer Wolf und eine falbe Hirschkuh gewesen. Doch von der nebulösen Vorzeit kommt das Werk schnell in aktuellere Gefilde und berichtet aus dem Leben Temujins, genannt Dschingis Khan: Wie sein Vater Yesugai Temujins Mutter Hoelun von einem anderen Stamm raubte, von der Geburt des Knaben mit einem Blutklumpen in der Hand, vom Tod des Vaters und wie sich die Mutter und ihre vier Söhne, von der Sippe verlassen, durchschlagen mussten und davon, wie es Temujin mit Charisma und diplomatischem Geschick, aber auch mit List und Tücke gelingt, seine Feinde zu unterwerfen und die Steppenvölker zu einen. Zum Herrscher aller Mongolen erhoben, begründet Dschingis Khan in nicht einmal zwei Jahrzehnten das größte Landreich aller Zeiten.

Die Geheime Geschichte gilt als das erste literarische Werk der Mongolei. In Auftrag gegeben wurde es von Dschingis Khans Sohn und Nachfolger Ugedai. Der Verfasser der Chronik ist unbekannt, stammt aber aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Umfeld Ugedais. Möglicherweise handelt es sich um seinen Adoptivbruder Schigichutuchu.

Nach dem Sturz der mongolischen Yuän-Dynastie durch die chinesischen Ming wurden sehr viele in mongolischer Schrift verfasste Dokumente zerstört. Auch die Geheime Geschichte galt lange als verloren. 1899 jedoch fand sich in der Sammlung eines chinesischen Kaisers ein Manuskript in chinesischen Schriftzeichen, das sich jedoch jeder Deutung entzog. Es entpuppte sich als die verschollene Chronik; sie hatte als Transkription des mongolischen Lautwertes in chinesische Schriftzeichen überlebt. Eine Rekonstruktion des mongolischen Textes gelang erst 1940 dem Berliner Sinologen Erich Haenisch, der den Text auch erstmals ins Deutsche übersetzte.

Die vorliegende Ausgabe ist eine neue Übersetzung des Leipziger Sinologen Manfred Taube. Ergänzt hat Taube den Text mit Kommentaren, Anmerkungen und einem Stammbaum.

  Geheime Geschichte der Mongolen

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 
 
  Gavin Menzies: 1421
Als China die Welt entdeckte.

München: Knaur, 2004. 600 Seiten. 10,95 Euro
München: Droemer Knaur, 2003. 608 Seiten.

Sind sie? Oder sind sie nicht? Glaubt man Gavin Menzies, ist nicht Diaz als erstes um das Kap der Guten Hoffnung gesegelt, hat nicht Magellan die nach ihm benannte Durchfahrt zwischen Atlantik und Pazifik entdeckt und schon gar nicht Kolumbus Amerika. Nein, es waren die Chinesen Anfang des 15. Jahrhunderts, sagt Gavin Menzies und glaubt, das auch nachweisen zu können.

Technisch ist das ohne Zweifel möglich: Dass China in der frühen Ming-Dynastie über eine riesige Flotte von über 300 Schiffen mit einer Besatzung von knapp 30.000 Mann verfügte, ist historisch belegt. Die größten der Dschunken waren 100 Meter lang und hatten neun Masten - verglichen damit waren die Schiffe, mit denen Kolumbus und seine Zeitgenossen ein knappes Jahrhundert später aufbrachen, kleine Fischerboote. Ebenso unstrittig ist, dass die Chinas Dschunken die Inselwelt Südostasiens, Indien und die afrikanische Ostküste erreichten.

Und wenn sie die Philippinen und Indonesien erreichten: Warum sollten sie nicht von dort weiter nach Australien und Neuseeland gesegelt sein? Wracks und andere Fundstücke an den dortigen Küsten scheinen die Menzies recht zu geben. Oder wenn sie schon an der Ostküsten Afrikas angelangt waren - warum hätten sie ihr nicht weiter in Richtung Süden, zum Kap der Guten Hoffnung folgen sollen?

Haben chinesische Navigatoren genaue Karten von Amerika und den Westindischen Inseln gezeichnet, lange bevor ein Europäer seinen Fuß auf diesen Teil der Welt gesetzt hat? Auch das schein nicht unplausibel - immerhin kann Menzies anhand originaler Quellen nachweisen, dass die die europäischen Entdecker im 15. und 16. Jahrhundert wussten, wohin sie steuerten, und dass die Gefilde, zu denen sie aufbrachen, gar nicht so unbekannt waren, wie uns die Überlieferung glauben macht. So manche Ungenauigkeit, die die alten Karten für den Laien die alten Karten unlesbar macht, kann der erfahrene Nautiker - Menzies war früher Kapitän eines U-Bootes der britischen Marine - erklären und auflösen.

Andere Beweise, die Menzies anführt, hingegen scheinen an den Haaren herbeigezogen - etwa seine These, der rätselhafte Turm in Narragansett Bay im US-Bundesstaat Rhode Island sei von Chinesen erbaut. Was schließlich besonders stutzig macht, ist die Tatsache, dass es kaum Originalquellen über die Reisen der chinesischen Ming-Flotten gibt - und das, obwohl die Chinesen sonst alle historisch bedeutsamen Ereignisse in Chroniken festzuhalten pflegten.

So gelingt es Menzies trotz aller Akribie seiner Beweisführung nicht, letzte Zweifel an seiner Theorie auszuräumen, dass chinesische Seeleute die Magellan-Straße durchsegelt und das Kap der Guten Hoffnung umrundet haben und dass sie Amerika, Australien und die Antarktis erreichten. Möglch - daran besteht zumindest kein Zweifel - ist es allemal. Und spannend zu lesen auch. (wp)

  1421

Bestellen Sie das Taschenbuch bei Amazon.de

Bestellen Sie die gebundene Ausgabe bei Amazon.de

 
 
 
  Gianni Guadalupi: China
Eine Entdeckungsreise vom Altertum bis ins 20. Jahrhundert

München: Frederking und Thaler, 2003. 336 Seiten. 60 Euro

Die Athener auf der Agora lauschten gebannt und zahlten gut. 60.000 Drachmen, zu jener Zeit ein Vermögen, soll Herodot für den Bericht seiner Reise nach Kleinasien und Persien kassiert haben. Der antike Historiker hatte sogar von einem Handelsweg tief in den Osten erfahren. Einzelheiten kannte er nicht: "Weiter im Osten ist das Land wüst, und niemand weiß Näheres über seine Beschaffenheit zu sagen", lautete sein Fazit.

Doch schon bald fanden Händler heraus, wohin der Weg führte. Sie folgten dem Lockruf der Seide bis nach Zentralasien, andere segelten von Ägypten aus gen Osten. Die Funde römischer Münzen in Vietnam zeugen vom weit verzweigten Handelsnetz der Antike.

Guadalupi rekonstruiert die wechselvolle Geschichte von West und Ost anhand zahlreicher Quellen aus allen Epochen, etwa den Schilderungen Marco Polos, die bei den Europäern ungläubiges Staunen und Bewunderung Zeitgenossen weckten. Die Gegenseite hingegen blieb kühl: "Doch das in Büchern und auf Bildern so begehrenswerte China, das Luxusgüter wie Jade und Porzellan, Seide, Tee und Luxusgüter in Hülle und Fülle hervorbrachte, wies die freundschaftlich ausgestreckte Hand des Westens zurück." Das Reich der Mitte war sich selbst genug, und die ersten Erfahrungen mit portugiesischen Seefahrer im 16. Jahrhundert machten nicht gerade Lust auf mehr: Der Autor eines Seefahrerhandbuches wusste zu berichten, sie wirkten "finster, haben zerhaustes Haar und Hakennasen und verströmen einen abstoßenden Geruch."

Eine folgenreiche Entscheidung: Desinteresse und Ablehnung ließen die Bewunderung Europas bald in Geringschätzung umschlagen. Der Westen, inzwischen durch die Errungenschaften der Industriellen Revolution technisch überlegen, presste den Chinesen Handelsniederlassungen und die Erlaubnis zur christlichen Mission ab. Diese Demütigung Chinas durch die westlichen Kolonialmächte ist entscheidend für Chinas Politik gegenüber dem Westen im 20. Jahrhundert.

Die aufwendige Illustrierung mit zeitgenössischen Karten, Stichen, Gemälden und Fotos aus beiden Kulturkreisen macht aus dem Geschichtsbuch zudem einen echten Augenschmaus. (wp)

  China

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 
 
  Diana Preston: Rebellion in Peking
Die Geschichte des Boxeraufstandes

Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 2001. 510 Seiten.

Sommer 1900: Der lange aufgestaute Zorn der chinesischen Bevölkerung gegen die Kolonisierung des Landes durch die Europäer, Amerikaner und Japaner bricht auf. In den Ausländervierteln von Beijing und Tianjin sitzen Diplomaten, Missionare, Soldaten, Händler in der Falle.

Spannend erzählt die britische Journalistin Diana Preston die Geschichte von mehreren hundert Europäern, eingeschlossenen und belagert im Beijinger Gesandtschaftsviertel. Eine Zwangsgemeinschaft, untereinander zerstritten durch Kolonialkonflikten und wachsenden Spannungen in Europa: die Briten mit den Russen, die Russen mit den Japanern, die Franzosen mit den Deutschen. Nun müssen sie miteinander durchhalten und kämpfen - gegen einen Volksaufstand, den sie selbst heraufbeschworen haben.

Preston schildert nicht nur die Vorgänge in den Gesandtschaften und in der Beidang-Kathedrale in Beijing und im Ausländerviertel von Tianjin, die verschiedenen militärischen Befreiungsaktionen. Sie beleuchtet ebenso die ambivalente Haltung der chinesischen Behörden und des Hofes - allen voran der Kaiserinwitwe Cixi selbst - gegenüber den Boxern, die zwischen dem Hass auf die Ausländer, der Erhaltung der eigenen Macht und der Abneigung gegen die Störung der öfentlichen Ordnung, dem Wunsch nach Reformen und dem Festhalten an der überkommenen Dynastie schwankten.

Sie läßt auch keinen Zweifel daran, dass das Verhalten der Ausländer in China den Boxeraufstand heraufbeschworen hat - ein Verhalten, das die Bitterkeit über erlittene Demütigungen und die Abneigung gegen die "fremden Teufel", die auch heute noch in China anzutreffen sind, verständlich machen. (wp)

  Rebellion in Peking

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 
 
  Andrew J. Nathan, Perry Link: Die Tiananmen-Akte.
Die Geheimdokumente der chinesischen Führung zum Massaker am Platz des Himmlischen Friedens

München, Berlin: Econ Ullstein List, 2001. 765 Seiten.

Nathan und Perry liefern mit diesem Buch eine Aufarbeitung der Ereignisse in Peking im Frühjahr 1989. Erstmals jedoch werden die Demonstrationen und deren blutige Niederschlagung aus der Sicht derer geschildert, die für das Massaker verantwortlich waren. Die Dokumente stammen aus dem Dunstkreis der Macht, zusammengestellt und den Autoren zugespielt von einem, der aus verständlichen und naheliegenden Gründen lieber nicht namentlich genannt werden will. Das Werk könnte endlich eine Neubewertung der Ereignisse im Frühlung 1989 durch die Kommunistische Partei Chinas bringen und die Position der Reformer in der Partei stärken. (wp)   Die Tiananmen-Akte

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 
 
  Jacques Gernet: Die chinesische Welt.
Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit.

Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1988. 714 Seiten. 20 Euro

In dem gewichtigen Werk gibt der französische Sinologe Jacques Gernet einen Überblick über die Geschichte Chinas von der Jungsteinzeit bis zur Kulturrevolution. Gernet bezeichnet sein Werk als Universalgeschichte - ihm geht es nicht um eine Auflistung historischer Ereignisse oder um eine politische Geschichte des Reiches der Mitte, sondern er zieht kulturelle und religiöse Entwicklungen ebenso in Betracht wie die Beziehungen Chinas zum Rest der Welt. Ein Standardwerk. (wp)   Die chinesiche Welt

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 
 
  John Hersey: Hiroshima
6. August 1945, 8 Uhr 15

Bodenheim: Philo, 1999. 187 Seiten.

Hiroshima, 6. August 1945. 8 Uhr 15. Eigentlich sagt das schon alles. Erst ein heller Blitz, dann wurde es dunkel. Bei dem Abwurf der Atombombe vom amerikanischen B29-Bomber "Enoly Gay" auf die japanische Großstadt Hiroshima starben mindestens 60.000 Menschen. Darüber wird noch heute jedes Jahr ausführlich in Zeitungen berichtet. Aber wie es den Opfern ergangen ist, die die Katastrophe durch seltene Zufälle gerade noch überlebt haben, hat nur Pulitzer-Preisträger John Hersey anschaulich beschrieben. Seine Reportage über fünf Japaner und einen deutschen Missionar erschien zuerst am 31. August 1946 in einer Sondernummer der bekannten Zeitschrift "New Yorker". Innerhalb weniger Stunden war das Heft ausverkauft. Deshalb haben allein in Amerika über 50 Verlage den Text unverzüglich nachgedruckt. Trotzdem gab es Engpässe. Albert Einstein bestellte allein 1000 Exemplare des Buches, dessen gesamter Erlös dem Roten Kreuz überwiesen wurde. Kein Wunder, dass "Hiroshima. 6. August 1945, 8 Uhr 15" kürzlich zur "Reportage des 20. Jahrhunderts" erklärt wurde. (ah)   Hiroshima 6. August 1945, 8 Uhr 15

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 
 
  Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs.
Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums

München: Beck, 2000. 254 Seiten.

Der Krieg in Vietnam war nicht nur die längste militärische Auseinandersetzung im 20. Jahrhundert, sondern auch eine der grausamsten. Er hat mehrere Hunderttausende Opfer gefordert, die amerikanische Nation gespalten und der Supermacht USA die erste Niederlage ihrer Geschichte bereitet. Dieses Buch schildert die Ursachen und Hintergründe des Krieges, von der französischen Kolonialherrschaft bis zur Watergate-Affäre. Dabei beschreibt der Autor Marc Frey die wichtigsten politischen und militärischen Etappen sowie seine bis heute anhaltenden Wirkungen auf die Rolle Amerikas in der Weltpolitik und natürlich das problematische Verhältnis zu Vietnam. Dies ist nicht nur die erste vollständige Darstellung des Amerikakrieges in deutscher Sprache, sondern sicherlich auch eine der spannendsten. Denn Marc Frey geht u.a. der Frage nach, warum die Supermacht den Vietnamkrieg überhaupt so bitter verloren hat. (ah)   Geschichte des Vietnamkriegs

Bestellen Sie das Buch bei Amazon.de

 
 

 
  http://www.ostasien.net -- Impressum -- Mail: -- 02/01; letzte Änderung 12/07 wp